MATTHIAS A. PETERSEIM

Arbeiten 2017 – 2020

„For this reason are the works of Pericles all the more to be wondered at; they were created in a short time for all time. Each one of them, in its beauty, was even then and at once antique; but in the freshness of its vigour it is, even to the present day, recent and newly wrought. Such is the bloom of perpetual newness, as it were, upon these works of his, which makes them ever to look untouched by time, as though the unfaltering breath of an ageless spirit has been infused into them.“

Plutarch, Life of Perikles, 13.3


Die Sieben Krücken des Entwerfens verhandelt die gängigen Methoden, die Architekt*innen verwenden, um formale Entscheidungen im Entwurfsprozess zu generieren. Wir nennen sie Krücken, da das Entwerfen ohne sie unmöglich erscheint und solcher Hilfen bedarf. Darüberhinaus wird die Frage aufgeworfen und diskutiert, inwiefern diese Formgebungs-Krücken rational argumentiert werden können, sollten oder dürfen. Wie rational oder willkürlich sind die Entscheidungen im Entwurfsprozess? Sind wir heute in der Nachfolge der Aufklärung tatsächlich in der Lage, Architektur auf gleiche Weise wie das restliche Leben effizienzorientiert und rationalisierend zu entwickeln? Kann Architektur abseits von subjektiven Geschmacksfragen mit objektivierter Schönheit gelingen?
Die Arbeit entstand als Projekt am Lehrstuhl von Professor D. Erben für Theorie und Geschichte von Architektur, Kunst & Design an der Technischen Universität München. Hier lesen.

Einband

„Früher gab es keine Stile, sondern nur eine gerade Kunstrichtung, der sich alles unterordnete. Erst im neunzehnten Jahrhundert wurde die Menschheit aus diesem künstlerischen Paradies vertrieben, nachdem sie vom Baum der historischen Erkenntnis gepflückt hatte“

Hermann Muthesius nach K. Döhmer, „In welchem Style sollen wir bauen?“ Architekturtheorie zwischen Klassizismus und Jugendstil, München, 1976, S. 81


Ich will, dass die jungen Leute, die jetzt zu malen beginnen, so vorgehen, wie ich es bei denen sehe, die das Schreiben lernen. Diese werden zuerst gesondert in allen Buchstabenformen unterrichtet […]: dann eignen sie sich die Silben an; anschließend lernen sie, wie alle Sätze gebildet werden. Diese Methode sollen unsere Schüler beim Malen befolgen. Als erstes sollen sie lernen, die Säume der Flächen richtig zu zeichnen; darin sollen sie sich so üben, als seien sie die ersten Elemente der Malkunst; dann sollen sie lernen, die Flächen aneinanderzufügen; anschließend sollen sie sich jede unterschiedliche Form jedes Gliedes aneignen und sich jeden möglichen Unterschied unter den Gliedern im Gedächtnis einprägen. Denn die Unterschiede der Glieder sind zahlreich und sehr eindeutig. So wirst du jemanden mit gewölbter und krummer Nase sehen; […] Und auf diese Weise soll der Maler bei jedem Glied alle Dinge, seien sie größer oder kleiner, genau prüfen und sie unterschiedlich darstellen. Und er soll auch gemäß unserer Erfahrung beachten, dass unsere Glieder im jugendlichen Alter rund, fast wie gedrechselt und zierlich sind [etc]. […] es wird ihm gefallen, nicht nur in allen Teilen Ähnliches wiederzugeben, sondern darüber hinaus Schönheit hinzuzufügen, denn in der Malerei ist Liebreiz nicht weniger vergnüglich als erforderlich. […] Und stets soll man danach streben, mit Hingabe und Fleiß vier Arten von Liebreiz kennen zu lernen. Obwohl dies schwierig ist, da ja in einem einzigen Körper nie alle Schönheit vereint, sondern auf mehrere Körper verteilt und zudem spärlich sind, muss man dennoch alle Mühen darauf verwenden, sie zu erforschen und zu erlernen.

Leon Battista Alberti, Über die Malkunst, III. Buch, 1453


„Ich bin immer der Meinung gewesen, das Gute sei nichts anderes als das Schöne in der Ausübung […]. Aus dieser Idee ergibt sich, dass Geschmack und sittliches Gefühl durch gleiche Mittel sich vervollkommnen und dass das von den Reizen der Tugend tief ergriffene Gemüt gegen alle Gattungen von Schönheit verhältnismäßig empfänglich sein muss. Man übt sich im Anschauen wie im Empfinden, oder viel mehr, der gebildete Sinn ist nichts als zartes und feines Gefühl, so wie der Maler beim Anblick einer schönen Landschaft […] über Gegenstände in Entzücken gerät, die der gemeine Zuschauer nicht einmal bemerkt hat. Wie manche Dinge nehmen wir bloß durch das Gefühl wahr und sind nicht imstande, Rechenschaft darüber zu geben. Wie manches gewisses Etwas kommt uns so häufig vor, worüber der Geschmack allein entscheidet. Der Geschmack ist in gewisser Hinsicht das Vergrößerungsglas des Verstandes […] und seine Verrichtungen fangen da an, wo die des Verstandes aufhören. Was muss man also tun, um ihn zu bilden? Man muss den Blick üben wie das Gefühl, muss versuchen, das Schöne durch Anschauen und das Gute durch Gefühl zu beurteilen.“

Jean-Jacques Rousseau, Die neue Héloïse, 1760